Warum Mensa Mitglied werden?


Die meisten Mensa Mitglieder sind klassische Individualisten und Anti-Vereinsmeier. Was führt solche Menschen trotzdem immer wieder zusammen?

  • Auf der geistigen Ebene die qualititiv und quantitativ hochwertigen Inputs von neuen Ideen aus dem schier unerschöpflichen Fundus den die, in ihrer Art und ihren Interessen sehr verschiedenen Mitglieder bei den Treffen einbringen und den Diskussionen darüber, die das eigene Wissen auf unterhaltsame Art bereichern können.
  • An körperlichen Genüssen ist unser "Mensa-Kulinarisch" Programm sehr beliebt bei dem wir jeden Monat gemeinsam ein anderes Lokal besuchen und so unsere Kenntnisse der Linzer Gastronomie bei humorvoll-gemütlichen Abenden ständig erweitern.
  • Sozial - machen die meisten Hochbegabten zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung in einer Gruppe von "Gleichen" zu sein. Das Wissen darum das alle anderen genauso "schlau" sind lässt einen gegenseitigen Respekt entstehen der ungeachtet von Alters- oder sozialen Unterschieden eine hohe Achtsamkeit im Umgang miteinander bewirkt. Dieses angenhme Vereinsklima versuchen wir hier in der Landesgruppe Oberösterreich bestmöglich zu pflegen. Bei allem gegenseitigen Respekt sind scharf geschliffene Diskussionen über "Gott und die Welt" aber ausdrücklich erwünscht!
  • Connection: durch den sehr niederschwelligen Kontakt zu tausenden Mitgliedern Weltweit ist es leicht möglich berufliche Anknüpfungspunkte mit anderen zu finden, aber auch privat sind schon viele dauerhafte Beziehungen unter Mensa Mitgliedern entstanden.

Hier ein Bericht eines neuen Mitgliedes über ihre ersten Eindrücke vom Vereinsleben:

Lauter Freaks und komische Leute?
- Resümee nach meinem ersten MENSA-Monat

Wie für die meisten, die sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben, war Mensa für mich die Kantine einer Uni. Über die weitere Bedeutung von MENSA wurde ich erst durch eine Arbeitskollegin aufgeklärt, die in der Zeitung gelesen hatte, dass demnächst mal wieder ein Aufnahmetest zu diesem Verein für Hochintelligente stattfinden würde. Mit schöner Regelmäßigkeit erinnerte sie mich in den folgenden zwei Wochen daran, dass ich den Test eigentlich mitmachen müsste, weil ich das ganz sicher schaffe.
Gut, neugierig war ich geworden und ich wollte eigentlich schon immer wissen, was für einen IQ ich habe. Doof war ich nicht, aber würde es ausreichen? An die Teilnahme bei irgendeinem Verein dachte ich dabei überhaupt nicht.
Um mich nicht zu blamieren wollte ich gern so einen Vortest machen, doch dafür war es einen Tag vor dem Haupttest (erst dann stand mein Entschluss fest es zu probieren) schon zu spät. Also rein ins kalte Wasser - gedanklich €44,- für Nichts abgeschrieben - und durch.
Wie man sieht hat es gereicht, aber was sollte ich nun damit anfangen?
Zunächst einmal bekam ich Post von der Mitgliederverwaltung die mich um genauere Angaben zu mir für das Mitgliederverzeichnis bat. Eine Bitte, die ich erst mal soweit ignorierte bis ich mich gedanklich damit abgefunden hatte, jetzt zu einem Verein zu gehören, der mich nie zuvor interessiert hat und von dem ich nicht ein einziges Mitglied kannte - normalerweise genau die Kriterien, die einen dazu bewegen einem Verein beizutreten...
Außerdem bekam ich Mails von Karina (LocSec OÖ) und Thomas (Procter OÖ), die mich zu meinem Ergebnis beglückwünschten und mich dazu ermuntern wollten mal an einem Stammtisch teilzunehmen.
Aber genau da hatte ich meine Bedenken, was ich denn da soll. Natürlich war ich neugierig! Auf der anderen Seite beschäftigte mich die Frage, was oder vielmehr wie sind diese Mensaner? Lauter Freaks und komische Leute?
In meinem Kopf tauchten Bilder von hochnäsigen Steve Urcle-Verschnitten auf, die sich über Themen unterhielten, von denen ich wahrscheinlich froh sein konnte zumindest die Überschrift zu kennen (Relativitätstheorie - what else? ;-) ). Nicht gerade meine Vorstellung von Spaß.
Auf meine Nachfrage, was man denn so bei diesen Treffen mache, versuchten Karina und Thomas mich zu beruhigen, dass alles ganz zwanglos ist und man sich über alles mögliche unterhält (was mein Steve Urcle-Szenario nicht unbedingt außer Kraft setzt). Außerdem seien das ganz normale Leute. Aber was ist schon normal und wer entspricht diesem 'Ideal' (will man das überhaupt?)
Den Star-Trek-Kinoabend hatte ich ja leider verpasst. Das wäre der ideale Einstieg gewesen. Ich hätte meine Pflicht und Schuldigkeit getan mich bei dem Verein mal blicken zu lassen und wenn mir die Leute nicht taugen, dann hätte ich doch zumindest den Film gesehen, den sich sonst keiner mit mir anschauen wollte.
Also auf die harte Tour. Ich nahm mir vor mich gleich zum nächsten Stammtischtermin anzumelden, um es hinter mich zu bringen. Das nächste Treffen fand in einem winzigen Lokal statt. So fiel es mir zumindest leicht den richtigen Tisch zu finden. Bei meinem Eintreffen waren schon ein paar Leute da und nach einer kurzen Vorstellung setzte ich mich auf den nächsten freien Platz. Ich wollte zunächst einmal abwarten und zuhören, wie sich die Leute so untereinander verhalten, worüber sie reden würden usw. Ich war erleichtert, dass nicht da nicht alle Prof.Dr.Dr. waren, die den ganzen Abend über ihre jeweiliges Fachgebiet fachsimpelten.
Die Gespräche handelten tatsächlich, von allem möglichen – von Trivialitäten über die unterschiedlichen persönlichen Interessengebiete, lokale Events bis hin zu Science-Fiction, aber auch Themen aus denen ich mich mangels fundierter Meinung oder Kenntnisse lieber raushalte. Überrascht stellte ich fest, wie schnell ich mich selbst inmitten einer solchen Unterhaltung befand. Von meiner anfänglichen Scheu war da nichts mehr zu merken. Ich war erstaunt, dass ich zu fast allen sofort einen guten Draht hatte, obwohl ich selten so viele unterschiedliche Persönlichkeiten an einem Tisch gesehen hatte. Eines hatten zum Glück jedoch alle gemeinsam: eine große Portion Humor. Mit so vielen unterschiedlichen, interessanten, aber auch interessierten Leuten war es unmöglich, keinen Gesprächspartner zu finden mit dem man sich über ein Thema unterhalten konnte, was einen selbst auch interessiert. So ging der Abend vorüber und meine Grenze von „Ok, bis 21 Uhr bleib ich“ wurde mühelos überschritten.
Ich hatte tatsächlich „Feuer gefangen“
Und so schaute ich auch beim nächsten Stammtisch wieder vorbei. Wieder ein paar neue Gesichter für mich, wieder ein amüsanter Abend, der erst durch den Ladenschluss des Lokals beendet wurde.
Daher fiel es mir auch leicht mich einer weiteren Mensa-Zusammenkunft anzuschließen. Einer zwanglosen Wandergruppe - die sich in unregelmäßigen Abständen zu mehr oder weniger anstrengenden Erkundungstouren in die nähere Umgebung aufmacht – kamen am darauffolgenden Samstag 4 muntere Wandersleute zusammen, um gemeinsam die GIS (Gisela-Warte nahe Linz) zu erobern. Bei einer gemütlichen 2-Stunden-Wanderung zum Gipfel mit anschließender Gipfelpause im Gasthof hatten wir viel zu lachen und auch beim anschließenden Rückweg mit weiterer Einkehr gingen uns die Gesprächsthemen nie aus. Das einzige negative, was ich aus diesem Tag mitgenommen habe, war ein riesiger Sonnenbrand ;-)
Auch sonst engagiert sich Karina sehr um 'ihren' Mensanern was zu bieten. So lud sie 2 Wochen später jeden der kommen wollte zum Brunch in ihrem Garten ein. Die Idee fand ich super, vor allem weil jeder irgendwas Essbares dazu mitbringen sollte (ohne vorherige Absprache versteht sich). Auch wenn hier weniger kamen als angekündigt, saßen wir so vor einer reich gedeckten Tafel. Kein Wunder also dass sich der Brunch (ca. 9.30h ging`s morgens los) statt der angepeilten Mittagszeit locker bis 18h zog. Für das Unterhaltungsprogramm sorgten wir natürlich selber. Wiederum kam dort die Vielfalt der Einzelpersonen zum Tragen. Nachdem MENSA ja auch für die (Weiter-)Bildung von Begabten/Intelligenten stehen soll, haben wir uns dem Gedanken des lebenslangen Lernens angenommen und haben beispielsweise eine Reihe von Klangexperimente durchgeführt – mit Gläsern, deren Weinpegel abhängig von der Tonhöhe geleert und gefüllt werden mussten.
Abschließend kann ich sagen, dass ich froh bin meine anfängliche Skepsis überwunden und den First Contact hergestellt zu haben. Mensaner sind tatsächlich Freaks und komische Leute – wenn das heißt, dass ich niemals so faszinierend unterschiedliche Leute getroffen habe, die mich mit Ansichten, Interessen oder Themen konfrontieren mit denen ich mich vorher noch nie beschäftigt habe. Mir macht der Gedankenaustausch sehr viel Spaß und ich kann jedem Neuen der meine anfänglichen Befürchtungen teilt nur empfehlen sich bei einem Treffen vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Kristin Consör